Einen MBA ohne Berufserfahrung zu beginnen, macht keinen Sinn

Nach seinem Geodäsie-Studium in Wien und mehrjähriger Berufserfahrung als Business Director bei Leica Geosystems in der Schweiz, entschloss sich DI Bernhard Richter, MBA zum berufsbegleitenden MBA-Programm „International Management“ an der Universität Liechtenstein.

Was hat Sie zu Ihrem MBA-Studium motiviert?

DI Bernhard Richter, MBA © Archiv Ursprünglich war die Motivation zu meinem MBA-Studium, mehr über Finanz und Makroökonomie zu lernen. Ein zusätzlicher Beweggrund: Als Techniker hat man oftmals das Gefühl, WirtschaftswissenschafterInnen unterlegen zu sein. Nachdem der Anteil von MBA-AbsolventInnen in einem internationalen Konzern sehr hoch ist, entsteht der subjektive Eindruck, ein MBA-Abschluss hilft dabei, weiterzukommen.

Eine Vielzahl von weltweit angebotenen MBA-Programmen macht die Auswahl mitunter schwierig. Nach welchen Kriterien haben Sie sich für Ihr MBA-Programm entschieden?

Es ist für mich nur ein berufsbegleitender MBA in Frage gekommen, da ich sonst keine Unterstützung durch die Firma bekommen hätte. Zudem musste ich auf 100% Arbeitszeit bleiben und auch dies schränkt die Auswahl ein: Kurze Wege, Blockveranstaltungen, nicht zu lange Absenzen – darauf kam es mir besonders an. Auch die Kosten spielten eine wichtige Rolle. Schlussendlich ist die Wahl auf ein MBA-Programm in meiner nächsten Umgebung gefallen.

Rückblickend betrachtet: Wie wichtig ist Berufserfahrung?

Einen MBA ohne Berufserfahrung zu beginnen, macht aus meiner Sicht keinen Sinn. Zu den meisten Themen, die in einem MBA behandelt werden, wie z.B. Change Management, Leadership, Operations, Human Resource Management, Strategy, bekommt man erst durch die Arbeit und die hier gemachten Erfahrungen einen Bezug. Diese Inhalte können auf einer Universität zwar gelehrt werden, nur durch Praxis bekommt man jedoch auch ein Gefühl dafür.

Berufsbegleitende MBA-Programme erfordern viel Disziplin und ideales Zeitmanagement. Wie haben Sie sich organisiert?

Wenig schlafen, wenig Urlaub, viele graue Haare, viel Sport, wenig Beziehung.

Konnten Sie das Gelernte in Ihrer Arbeitspraxis anwenden?

Die meisten Themen im Rahmen des MBA-Programms konnte ich anhand konkreter Fallbeispiele meiner Firma behandeln. Der große Vorteil: Einige meiner Arbeiten ließen sich daher unmittelbar in meiner persönlichen Arbeitspraxis umsetzen.

Ein MBA-Abschluss gilt nicht nur in den USA als Karrierebeschleuniger. Auch in Europa wird er gerne als Sprungbrett für eine internationale Karriere betrachtet. Welche Erfahrungen haben Sie hier gemacht?

Meine persönliche Erfahrung: Ein MBA muss kein Sprungbrett für eine Karriere sein. Jemand, der Karriere macht, macht sie mit oder auch ohne MBA. Ich habe jedoch in zweierlei Hinsicht profitiert: Einerseits habe ich gelernt, Aufgaben strukturiert anzugehen und anhand von Modellen durchzudenken. Andererseits hat mir das Studium zusätzliches Selbstvertrauen gegeben. Vor dem MBA hat mich die so genannte „MBA-Sprache“ stark beeindruckt. Mittlerweile machen mir weder Porter noch Ansoff noch Hofstede mit ihren Theorien Angst, und ich kann, falls nötig, mitreden. Denn in Wirklichkeit ist das alles nur „common sense“.
Autor: red.

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